Das Ehepar Flickr hat seit einiger Zeit ein neues Spielzeug. Es hört auf den Namen hunch.com und liefert Antworten.
Hunch – zu deutsch Intuition, Ahnung, Vorahnung – will Ratgeber sein bei Problemen, Entscheidungen und Alltagssorgen, mit denen wir uns täglich rumschlagen.
Statt Fragen zu posten, die von der Community dann geradeaus beantwortet werden, wie es z.B. ein Yahoo! Answers sehr erfolgreich betreibt, präsentiert Hunch Frage & Antwort-Spielchen. Im multiple-choice-Verfahren werden Fragen gestellt, die Wahl meiner Antworten wird ausgewertet und summa summarum als Prozentwert für oder gegen die eine oder andere Entscheidung ausgeworfen.
In der Praxis sieht das dann so aus – auf die Frage, “ob ich mir ein iPhone zulegen soll”, fragt mich Hunch “ob ich mir das leisten kann”, “ob mein Job es erforderlich macht ständig online zu sein” oder “ob ich häufig SMS verschicke” (letzteres führt lustigerweise dazu, dass der Prozentsatz für “Ja kaufen” um 15% abfällt …).
Die Fragen beantworte ich brav mit ja oder nein, hier und da wähle ich aus anderen Optionen aus. Nach 10 bis 15 Fragen steht das Ergebnis fest – in diesem Fall ja, kauf dir ein iPhone, womit Hunch in meinem Fall 100%ig daneben liegt.
Und genau da liegt das Problem – die einzelnen Fragen werden von Usern angelegt, ebenso legen diese eine Gewichtung der angebotenen Antworten in der einen oder anderen Richtung fest.
So taucht im Falle des iPhone-Beispiels doch tatsächlich die Frage auf, ob mich meine Mitmenschen für “successful & admirable” halten oder alternativ für “original & unique”. Was der Autor dieser Fragen damit suggerieren will, jagt mir kalte Schauer über den Rücken und die Optionen “last fucked in 2002″ und “unsuccessful poser” suche ich natürlich vergeblich.
Das Wikipedia-Problem der ersten Jahre hat Hunch nicht im Griff – Herkunft und Zustandekommen von Fragen und Wertungen bleibt intransparent und schleierhaft. Die so schlicht und nüchtern präsentierten Fragen, sind objektiv betrachtet oft völliger Humbug, dagegen sind die Kommentare unter den Fragen so manches Mal hilfreicher als das quählende Frage-und-Antwort-Spielchen.
Am Ende wird aus Hunch so dann doch nur eine weitere Variante des Yahoo-Klassikers, wenn auch mit bisweilen spaßigem Geklicke zwischendurch.


